2021

Artikel Nr. 10

ECHT HECHT

WELTWEIT MAGAZIN

IM AUGE DES BETRACHTERS 

Die Kolumne mit dem besonderen Augenmerk

Von Norbert Hecht (damals noch ohne dem Zusatz: "Die Kolumne mit dem besonderen Augenmerk," erschien 2005/2006 in der Deutschen Tageszeitung "Ebersberger Zeitung", Landkreisausgabe des "Münchner Merkur". In dieser seiner eigenen Rubrik machte er sich Gedanken zu streitbaren Themen der Zeit, wie "Darf die Kunst für Politik werben?", Sterbehilfe oder Gleichberechtigung von Frauen...

Anläßlich einer Anfrage, in Form eines literarischen Beitrags am "Markt² Schwabener KUNST PFAD" mit zu wirken, entschloß er sich kurzerhand seine Kolumne wieder aufzunehmen. Seit Februar 2021, heißt es hier an dieser Stelle (jeden dritten Montag im Monat) wieder: IM AUGE DES BETRACHTERS von Norbert Hecht.

Aktueller Artikel vom 15.11.2021

IM AUGE DES BETRACHTERS 

Die Kolumne mit dem besonderen Augenmerk

Ist die Depression ein Tabu

auf Grund von Unwissenheit? 

VON 

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   Gerade im Spätherbst, auch die „Graue Jahreszeit“ genannt, kommt für den ein oder anderen der Hang zur Melancholie, der Schwermut oder auch „Blues“ genannt, durch. (Laut „Duden.de“: „englisch blues, aus: the blues (für: the blue devils = die blauen Teufel) = Anfall von Depression, Schwermut, zu: blue = bedrückend, deprimierend)“ Sprach man in der Antike von der Melancholie („Schwarzgalligkeit“ vom Altgriechischem für schwarz und Galle hergeleitet), dachte man nach damaliger medizinischer Anschauung, dass der Grund für die Erkrankung der Schwermut verbrannter Galle sei, die ins Blut übertrat. Die Melancholie, wird auch als die grundlose Traurigkeit verstanden. Sie ist es, die vor allem Künstler dann aber der Grund ist, vielerlei an Schönem bzw. Traurigem zu erschaffen, insbesondere in der Malerei und Poesie. Wenn sie tatsächlich nach kurzer Zeit wieder verfliegt, ist es auch nicht weiter schlimm. 

   Heutzutage sagt man eher Depression (lateinisch depressio von lateinisch deprimere = niederdrücken) dazu und spricht nicht gern darüber. Insbesondere, wenn man selbst eine hat. Denn Depression ist nach wie vor ein Tabuthema in unserer sogenannten schnelllebigen Welt, in der jeder ständig und immer perfekt zu funktionieren hat. Eine Depression wird schnell mit „Schwäche“ gleichgestellt. Und doch wissen die wenigsten, selbst Betroffene nicht, was es wirklich bedeutet, an einer Depression zu leiden. Oder wie und warum es dazu kommt? Ob man es glaubt oder nicht, es kann jeden es treffen. Selbst die, die eigentlich keinen Grund dazu haben sollten. Die Schauspielerin Nora Tschirner, outete sich bereits 2020 im Podcast „Hotel Quarantäne“ erstmals, wie auch im Interview von Lara Fritsche und Kathrin Hollmer vom 15. April 2021 im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“, darüber, dass auch sie in der Vergangenheit an Depressionen litt. 

   Viele trauen sich nach wie vor nicht, darüber zu sprechen, selbst im engsten Freundeskreis nicht. Und erst recht nicht in der Arbeit oder dem Chef gegenüber. Es soll bloß ja niemand mitbekommen. Wer an einer Depression leidet, hat irgendwann schlichtweg nicht mehr die Kraft, sich weiter zu verstellen. Denn es werden die einfachsten und banalsten Dinge zu einer schier unlösbaren Aufgabe. Man bringt dann auch nicht die Kraft und den Willen auf, um sie anzugehen. Alles, erscheint so sinn- und zwecklos. Man wird mutlos, traurig und verspürt einen innere Leere, ein geradezu lähmender Gemütszustand. Die mährisch-österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach beschreibt es so: „Zwischen Können und Tun liegt ein Meer und auf seinem Grunde gar oft die gescheiterte Willenskraft“.

   Wenn die Schwermut das Gefühlt gibt, sie würde einen regelrecht erdrücken oder unrettbar in ihr versinken – ist es, wie in ein dunkles Loch zu fallen und dann von dort nicht wieder herauszufinden. Alles erscheint nur noch sinn- und zwecklos. Innere Unruhe, wie auch die größer werdenden Angstzustände können ein Leben nicht mehr lebenswert erscheinen lassen. Wer an einer Depression leidet, braucht professionelle Hilfe, denn nur gutes Zureden reicht nicht. Diese weiß auch, ob und welche Medikamente, sprich Psychopharmaka einzunehmen sind. Auch der Comedian Kurt Krömer hatte sich unlängst in seiner Show „Chez Krömer“ (in der Sendung vom 22. März 2021) geoutet, an Depressionen gelitten zu haben. In genannter Sendung hatte er den Komiker Torsten Sträter zu Gast. Auch er litt an Depressionen. Seit Januar 2018 ist Sträter Schirmherr der Depressionsliga e.V.

   Damit Depression kein Tabu oder ein Grund ist, wofür man sich schämen muss, sollten wir uns alle besser darüber informieren. Aber auch etwas besser auf unser Seelenleben achten. Nur wer eine gesunde Seele hat, hat auch „Seelenfrieden“. Vielleicht wären wir dann alle besser davor gefeit. Aber das ist natürlich wie immer Ansichtssache und liegt somit im Auge des Betrachters.

 

Hilfe bei Depressionen bietet die Telefonseelsorge: unter der kostenlosen Rufnummer: 0800/111 0 111 sowie 0800-111 0 222. 

Bürgerinnen und Bürger Bayerns können sich auch an die Bayrischen Krisendienste wenden. Deren Rufnummer ist ebenfalls kostenlos: 0800/655 3000.