2021

Artikel Nr. 8

ECHT HECHT

WELTWEIT MAGAZIN

IM AUGE DES BETRACHTERS 

Die Kolumne mit dem besonderen Augenmerk

Von Norbert Hecht (damals noch ohne dem Zusatz: "Die Kolumne mit dem besonderen Augenmerk," erschien 2005/2006 in der Deutschen Tageszeitung "Ebersberger Zeitung", Landkreisausgabe des "Münchner Merkur". In dieser seiner eigenen Rubrik machte er sich Gedanken zu streitbaren Themen der Zeit, wie "Darf die Kunst für Politik werben?", Sterbehilfe oder Gleichberechtigung von Frauen...

Anläßlich einer Anfrage, in Form eines literarischen Beitrags am "Markt² Schwabener KUNST PFAD" mit zu wirken, entschloß er sich kurzerhand seine Kolumne wieder aufzunehmen. Seit Februar 2021, heißt es hier an dieser Stelle (jeden dritten Montag im Monat) wieder: IM AUGE DES BETRACHTERS von Norbert Hecht.

Aktueller Artikel vom 19.09.2021

IM AUGE DES BETRACHTERS 

Die Kolumne mit dem besonderen Augenmerk

Darf man oder muss man in einer Demokratie wählen?

VON 

   Diese Frage darf und muss nicht nur immer wieder zu anstehenden Wahlen gestellt sein. Vielmehr sollte bzw. muss sie gar als eine Selbstverständlichkeit zur Pflicht in den Köpfen aller Wahlberechtigten verankert sein - damit sich in einer Demokratie diese Frage auch erst gar nicht stellt. Für viele, die den Krieg noch erlebt haben, ist dem tatsächlich auch so, dass man von seinem Wahlrecht unbedingt Gebrauch nimmt, denn sie wissen noch all zugut, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Dies haben sie, wenn überhaupt, im Idealfall auch ihren Nachkommen gelehrt. Und diese wiederum ihren. 

   Das Wort Demokratie stammt aus dem Altgriechischem demokratia = Herrschafft des Staatsvolkes (aus Demos = Staatsvolk und kratos = Macht, Gewalt, Herrschaft) Eine Demokratie ist demnach die „Herrschaft des Staatsvolkes“. Laut Deutschem Bundestag erklärt sich das Wort Demokratie/heißt es dazu wie folgt: „Nach Artikel 20 des Grundgesetzes ist die Bundesrepublik eine Demokratie. In dieser Staatsform übt das Volk die Herrschaftsgewalt aus. Demokratien zeichnen sich unter anderem durch Achtung der Menschenrechte, Gewaltenteilung, Verantwortlichkeit der Regierung, Unabhängigkeit der Gerichte, Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, ein Mehrparteiensystem sowie freie, gleiche und geheime Wahlen aus. Die Bundesrepublik ist eine repräsentative Demokratie, in der das Volk durch gewählte Volksvertreter „herrscht“. Diese Volksvertreter bilden den Bundestag, der das einzige unmittelbar demokratisch gewählte Verfassungsorgan ist.“

   Damit tut sich gleich noch eine Frage auf: Haben die Deutschen nichts aus Ihrer Geschichte gelernt? Oder warum gehen nicht alle Wahlberechtigten zur Wahl? Vielleicht mag es Politikverdrossenheit sein oder aber politisches Desinteresse warum viele nicht wählen. Oder ist es, weil Wahlversprechen oftmals, egal von welcher Partei nicht oder nur teilweise eingehalten werden. Nicht wenige mögen denken: „Letztlich geht es mir nicht weniger gut oder schlecht, egal welche Partei auch regiert.“ 

   Anderen ist es einfach nicht klar wofür die ein oder andere Partei wirklich steht. Nicht jeder wählt der Tradition wegen, „mein Vater hat die oder jene Partei gewählt also ich auch.“ Es gibt auch nicht wirklich mehr sogenannte Volksparteien. Denn längst haben sich ja auch die Zeiten und dadurch auch das Denken der Leute geändert. So mag es auch nicht verwundern, wenn es immer wieder Koalitionen gibt und eben nicht mehr die absolute Mehrheit für ausschließlich nur eine Partei. Dies spiegelt eben auch unsere Gesellschaft wider. Man braucht kein Politologe zu sein oder aber politisch sehr interessiert zu sein, um „richtig“ wählen zu können. Da wir in einer Demokratie leben, darf man wählen, ja man muss wählen, denn das heißt politisch mitgestalten und mitbestimmen. Nie war es leichter denn je, auch dank Internet sich über das Wahlprogramm der jeweiligen Parteien zu informieren. 

   Manchmal wird auch der gewählt, der einfach am lautesten schreit und hetzt. Das gab es bereits mehr als nur einmal, nicht nur in Deutschland. Demokratie heißt eben auch die Partei und oder Person wählen zu dürfen von der man überzeugt ist, dass sie die richtige ist oder von der man glaubt, dass sie die bessere Wahl ist. Manch Politiker „vergeigt“ regelrecht den Sieg seiner Partei, wenn er allzu oft ins Fettnäpfchen greift. Oder aber, weil er sich als korrupt herausstellt oder aber bei seiner Doktorarbeit geschummelt hat. Was einem bewiesenem Vertrauensmissbrauch gleichkommt. Aber selbst das schreckt nicht ab trotzdem gewählt zu werden. Ein Zitat von Johannes Mario Simmel lautet: „Was ist der Unterscheid zwischen einer Protituierten und einem Politiker? Die Prostituierte verkauft ihren Körper und der Politiker seine Seele.“

   Vielleicht ist dies ein eher abschreckendes Zitat was das Wählen angeht. Oder aber gar ein geradezu befürwortendes Zitat um zu wählen. So oder so, sollte jeder Wahlberechtigte sein Wahlrecht, als seine Pflicht anzusehen und muss daher auch wählen. Aber das ist natürlich wie immer Ansichtssache und liegt somit im Auge des Betrachters.